Forgotten in Idomeni

Statt Karneval zu feiern fuhren 4 Mitglieder der Refugees Foundation nach Idomeni an die griechisch-mazedonische Grenze um Flüchtlinge zu versorgen.
 
In Polykastro, ca. 25 km von der mazedonischen Grenze entfernt gibt es eine Tankstelle, die EKO Gas Station. Während unserer Vorbereitung für die Reise hatte wir viel über den Ort, an dem die Menschen „zwischengeparkt“ werden, wenn das Camp vor der Grenze zu voll ist, gelesen. Noch bei der Anreise kamen wir zufällig an der Tankstelle und konnten kaum glauben, dass es der richtige Ort sein sollten – weit und breit waren weder Reisebusse noch Flüchtlinge zusehen. Wir trafen auf eine Gruppe von MSF-Mitarbeiter (MSF = Ärzte ohne Grenzen) die uns mitteilten, dass aufgrund des Fährenstreiks in Griechanland im Moment niemand von den Inseln kommt.
Im Camp war die Lage an diesem Tag auch recht ruhig. Menschen, die auf ihre Weiterreise warteten hatten größtenteils Platz in den großen Zelten. Was jedoch in den nächsten Tagen passieren sollte, damit hatten wir nicht gerechnet. Tag für Tag kamen neue Reisebusse mit 50-70 Menschen an. Jeder Bus sollte mindestens drei Tage bleiben.
 
Von Mittwoch bis Sonntag waren etwa 5000 Menschen an der Tankstelle, das Camp überfüllt und ein „Camp B“ musste eröffnet werden. In Camp B lebten die Menschen in kleinen Zelten auf freiem Feld. Sie waren zeitweise ohne Zugang zu Camp A, in dem die medizinische Versorgung, sanitären Anlagen und die Lebensmittelausgabe waren!
In Polykastro war nur das Team von MSF die offiziell einmal am Tag Sandwiches und Wasser ausgeben, die bei dem Tankstellenbetreiber gekauft werden.
 
Wir haben den Menschen zugehört, Fragen beantwortet, so gut wir eben konnten. Bälle, Seifenblasen und kleine Autos an die Kinder von den Spenden aus Köln gekauft und  verteilt und mit ihnen gespielt. Unglaublich viele Schokoriegel, Kekse, Mandarinen, Trinkpäckchen Wasserflaschen und freundliches Lächeln haben wir verteilt.
 
2000 Flüchtlinge sind an einem Tag zu Fuß zur Grenze gegangen, wir sind mit unserem Wagen die Route entlang gefahren und haben Lebensmittel und Wasser aus dem Auto ausgegeben.
 
Dank einiger sehr engagierter Menschen (die selber seit mehreren Tagen auf ihre Weiterreise warteten) haben wir es mehrmals geschafft, Pampers, Taschentücher und Milchpulver aus dem Auto auszugeben. Außerdem ein paar Babyflaschen und Damenbinden. Ohne ihre Hilfe wäre dies nicht möglich gewesen. Sobald die Menschen sahen, dass wir etwas aus dem Auto holten, haben sie uns umringt und es war unmöglich, geordnet etwas auszuteilen. Unsere Helfer haben fleißig übersetzt, dafür gesorgt, dass die Menschen sich in eine Schlange stellten und jeder etwas bekommen konnte.
 
Gemeinsam mit MSF haben wir Essen ausgegeben. Abends Decken, Regenjacken und –hosen sowie Zelte verteilt.
 
Gegen Ende unserer Reise sind wir auf die Idee gekommen an den für alle zugänglichen Wasserspendern Seifenstücke auszulegen. Die Seife wurde dankend genutzt und auch nach unserer Abfahrt konnten wir MSF einen Vorrat an Seifen hinterlassen, der nun täglich nachgelegt wird.
 
Wie immer gab es von allem zu wenig!
 
Wir haben mehr als einmal zusammen weinend in der Ecke gelegen. Die Verzweiflung der Menschen so hautnah zu erleben, ist kaum zu ertragen. Wir haben eine Woche lang unser ganzes Herzblut in die Versorgung der Menschen an der Tankstelle gesteckt, noch heute fühlen wir uns den Menschen und Helfern vor Ort sehr verbunden. Wir kennen den Ort an dem sie sich befinden und haben einen Einblick in die Situation erhalten und was es heißt vergessen zu werden. Vergessen im Idomeni.
 
Danke an Ellen, Bettina und Julie, wir waren ein super Team und konnten einigen Menschen für einen Moment das Leben leichter machen.

Comments are closed.