Libanon – Tagebuch 12.3. – 29.3.2016

12. März 2016
Um Mitternacht sind wir in Beirut angekommen. Wir übernachten im Hostel Beirut und morgen früh geht’s los in Richtung Bekaa Ebene nach Taanayel.

13. März 2016
Wir sind jetzt im Libanon, hier leben offiziell 1.2 Millionen registrierte syrische Flüchtlinge. Inoffiziell sagt man seien es 1.7 Millionen, vielleicht aber auch 2 Millionen – in einem Land, das 4 Millionen Einwohner hat.

Viele Kinder, die wir hier sehen, wurden hier geboren. Der Krieg, der vor fünf Jahren begann, lässt sie in „Settlements“aufwachsen, wie ihre Behausungen hier genannt werden. In den Augen der Eltern ist viel, sehr viel Traurigkeit zu sehen.

Die Kinder, die den Krieg nicht kennen malen uns Bilder von Häusern, Blumen und Regenbogen. Genauso, wie es unsere Kinder Zuhause tun. Ihre Hoffnungen und Wünsche sind dieselben und wir wissen, dass sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach nie erfüllen werden. Sie freuen sich dermaßen über unseren kurzen Besuch und möchten, dass wir morgen wieder kommen, was wir Ihnen aber nicht versprechen können, denn es gibt so viele von diesen „Settlements“ im Libanon, vor allem hier im Bekaa Tal, dass ganze Armeen von Freiwilligen benötigt würden.

Die Stunden haben uns für ein paar Malblocks und 2 Springseilchen ganze US$ 40 und uns und zwei Übersetzer zwei Stunden Zeit gekostet. Zwei Stunden, in denen wir Kindern ein Lächeln und eine Erinnerung ins Gesicht zaubern konnten, unvergesslich für sie und für uns.

Nichts mit dem zu vergleichen, was wir von September bis Februar an der Balkanroute erlebt haben. Nichts, was die Erinnerungen auslöscht, dennoch ist es so ganz anders, scheint so endgültig.

Nach etwas mehr als einer Woche hier weiß ich, dass ich wieder kommen werde. Freiwillige in den Libanon zu Salam schicken werde, die mit dem hiesigen Team von Langzeitfreiwilligen für mindestens einen Monat arbeiten und helfen werden.

Hier ist soviel zu tun, dass ich gar nicht an unsere Abreise nächste Woche denken möchte. So belanglos scheinen die „Erste Welt – Probleme“ bei all dem Elend hier.

Und dennoch, es geht weiter, das Leben, unser Leben, unser Leben in Geborgenheit, ohne Krieg, ohne Stromausfall, in warmen Betten und mit gefüllten Kühlschränken. Mit Sorgen, die die Menschen hier nicht haben.

Hier geht es im wahrsten Sinne des Wortes ums blanke Überleben …

14. März 2016
Schuhverteilung in einer verhältnismäßig kleinen Siedlung.

17. März 2016
Heute waren Sophia und ich mit unserem 1. Patienten beim Arzt. Omar, 12 Jahre alt, ist mit seiner Familie seit drei Jahren im Libanon. Sein Vater war Schäfer in Syrien.
Wie so viele hier sind auch sie vor dem Krieg geflohen. Omar hat drei gesunde Geschwister. Er selbst ist von Kindheit an auf einem Auge blind und sein zweites ist in den letztendrei Jahren (ohne jede ärztliche Versorgung) immer schwächer geworden.

Dies ist einer von vielen Fällen, die an unsere im Aufbau befindliche Partnerorganisation Salam Tag für Tag herangetragen werden und heute wurden Sophia und ich mit dem Fall betraut, da wir mit unseren Spenden den Arztbesuch für Omar bezahlt haben.

Sein Augenlicht kann leidet nicht gerettet werden, da seine Mutter während der Schwangerschaft eine Infektion hatte, was zu der Behinderung des Jungen führte. Allerdings können wir ihm mit einer ausgewogenen, gesunden Ernährung helfen, kräftiger zu werden, sodass er zumindest lernen kann, alleine laufen und spielen zu können.

Wir denken an die unermüdliche Unterstützung, und möchten uns dafür bedanken – denn nur so ist es uns möglich diese Hilfe zu leisten und die Not der Menschen ein wenig erträglicher zu machen …

18. März 2016
Wir verteilen heute Teppiche, Windeln, Babynahrung und Brennholz in einer syrischen Flüchtlingssiedlung. Die Teppiche haben wir zuvor aus großen Teilen zu 3×4 m Stücken zurecht geschnitten. Das Brennholz ist in Säcke gefüllt. Alles auf einen LKW geladen sind wir in eine nahegelegene Siedlung gefahren und haben es verteilt.

19. März 2016
Heute haben wir den Kindern von „Siedlung 32“ einfach nur ein kleines bisschen Freude und Ablenkung gebracht. Eine Erinnerung, die bleiben wird. Seilchenspringen und malen standen auf dem Programm.

20. März 2016
Zum Muttertag haben wir über 100 Familien Kuchen und den Müttern Blumen geschenkt.

24. März 2016
Wir haben heute eine libanesische Hilfsorganisation in einem Dorf sehr nahe der syrischen Grenze, Richtung Baalbek bei der Kleiderausgabe unterstützt.

25. März 2016
Heute sind wir zu einem Fall nach Baalbek gefahren, zudem wir von dem dortigen stellvertretenden Bürgermeister gerufen wurden. Er selbst hatte erst vor ein paar Tagen aus dem Fernsehen davon erfahren und erhofft sich Unterstützung durch unser Team.
Es handelt sich hier um eine Familie in einer absoluten Notlage. Wir fanden Zustände vor, die in Worte zu fassen mir unmöglich ist. Ohne weiter in die Details gehen zu wollen, möchte ich euch ausschließlich ein paar Bilder von Baalbek und der Umgebung zeigen.

Wir sind guten Mutes, den stellvertretenden Bürgermeister bei der Lösung des akuten Problems unterstützen zu können und hoffen, dass solche Fälle in Zukunft schneller ans Licht kommen.
Es handelt sich um eine libanesische Familie ohne kleine Kinder, soviel möchte ich sagen. Es ist und wird immer unsere Aufgabe sein, da zu helfen, wo die Not besonders groß ist, unabhängig von Herkunft und Religion.

Für alle, die etwas mehr über Baalbek wissen möchten: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Tempel_von_Baalbek

27. März 2016
Unter der Anleitung und mit Hilfe von syrischen Freiwilligen haben wir heute 250 Kindergesichter bei einem Abschlußfest geschminkt. Es war ein Riesenspaß für Groß und Klein.

28. März 201
Es geht zu Ende mit unserer Zeit im Libanon. Noch zweimal schlafen und dann fliegen wir zurück über Beirut, Istanbul nach Köln.
Wir haben hier sehr viel gesehen, erlebt und viel über die Arbeit im Libanon gelernt. Bei Zeiten erzählen wir gerne mehr darüber. Jetzt ist vor allem eines wichtig: es werden hier dringend Volunteers gesucht. Am liebsten für einen Monat, oder länger. Auf jeden Fall aber mindestens zwei bis drei Wochen. Bei Interesse meldet euch bitte direkt bei mir via PN.

Zur konkreten Planung: Die Anreise wird immer zum 1. oder 15. eines Monats sein.

Ps. An den Tagen, an denen nicht konkretes eingetragen ist, haben wir im Haus gearbeitet. Teppiche geschnitten, geputzt, Regale gebaut, eingekauft und alles, was in einem neu bezogenen Haus so anfällt erledigt …

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